Trockener April 2026: Was die anhaltende Dürre für Bayerns Felder bedeutet
Was die anhaltende Dürre für Bayerns Felder bedeutet
Der April 2026 hat sich in weiten Teilen Süddeutschlands von seiner trockensten Seite gezeigt. In der Region Schrobenhausen war es laut Aufzeichnungen des langjährigen Wetterbeobachters Wolfgang Haas der trockenste April seit 2018: Nur ein einziger nennenswerter Niederschlag wurde registriert – am 10. April mit knapp 9,8 Millimetern. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung in ihrer Regionalausgabe.
Was wie eine lokale Beobachtung wirkt, fügt sich in ein größeres Bild. Auch der UFZ-Dürremonitor weist für weite Teile Bayerns ungewöhnlich niedrige Bodenfeuchtewerte aus. Das Landwirtschaftsministerium warnt zugleich vor erhöhter Waldbrandgefahr. Die Frage, wer von dieser Wetterlage profitiert und wer unter ihr leidet, fällt dabei differenzierter aus, als es zunächst scheint.
Spargel und Hopfen kommen gut zurecht
Dauerkulturen mit tiefem Wurzelwerk sind die Gewinner der aktuellen Wetterlage. Spargel und Hopfen erschließen Wasservorräte aus tieferen Bodenschichten, die für viele Ackerkulturen unerreichbar sind. Wie Claudia Westner vom Spargelerzeugerverband Südbayern gegenüber der SZ ausführte, sei das aktuelle Wetter für die Spargelernte sogar nahezu ideal: viel Sonne tagsüber, kühle Nächte. Einschränkungen gibt es nur bei jungen Spargelpflanzen, deren Wurzelsysteme noch nicht ausreichend entwickelt sind.
Sommerungen mit Restpuffer – aber nur noch kurz
Mais, Soja, Hafer, Sommergerste und Kartoffeln, die im Frühjahr gelegt werden, profitieren aktuell noch von Restfeuchte aus dem Winter. Die Saat- und Pflanzarbeiten konnten bei trockenen Bodenverhältnissen ohne Strukturschäden erledigt werden – das ist landwirtschaftlich gesehen ein Vorteil. Das Zeitfenster ist allerdings begrenzt. Bleibt der Regen bis in die erste Maiwoche aus, drohen erste Kulturschäden, wie der Diepoltshofener Agraringenieur Bernhard Reitberger im SZ-Interview einordnet.
Winterungen vor der entscheidenden Wachstumsphase
Kritischer ist die Lage bei den Winterungen – also Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste. Diese Kulturen befinden sich aktuell in jener Phase, in der sich der spätere Ertrag entscheidet: Im Pflanzeninneren wird angelegt, wie viele Körner pro Ähre tatsächlich ausgebildet werden. Bei knappem Wasser reagiert die Pflanze biologisch sinnvoll, aber wirtschaftlich teuer: Sie reduziert die Anzahl der Kornanlagen, um ihr Risiko zu begrenzen. Das Ergebnis ist Minderertrag.
Mit jedem weiteren Tag ohne Regen wachsen die zu erwartenden Schäden. Wer wissen möchte, wie sich die Lage in seinem Bundesland aktuell darstellt, findet auf unseren Länderseiten – etwa der Dürre-Lage Bayern – tagesaktuelle Daten zu Bodenfeuchte, Wetterwarnungen und Pegelständen.
Besonders bitter: Grünland und Milchviehbetriebe
Während sich Getreideverluste oft erst zur Ernte beziffern lassen, zeigt sich der Wassermangel auf Wiesen unmittelbar. Das Graswachstum bleibt vielerorts hinter den Erwartungen zurück. Für Milchviehhalter wiegt das doppelt schwer, denn der erste Schnitt gilt traditionell als nährstoffreichster und wirtschaftlich wertvollster Aufwuchs des Jahres. Fällt er schwach aus, müssen Futterreserven eingesetzt oder zugekauft werden – beides erhöht die Betriebskosten in einer ohnehin angespannten Marktlage.
Beregnung – häufig keine Option
Aus städtischer Perspektive scheint die Lösung naheliegend: einfach bewässern. In der Praxis ist Beregnung jedoch oft wirtschaftlich untragbar. Sie setzt Brunnen, behördliche Genehmigungen, technisches Equipment und erheblichen Energie- und Arbeitseinsatz voraus. Rentabel wird das meist nur bei Sonderkulturen wie Kartoffeln oder Gemüse. Bei Getreide rechnet sich der Aufwand kaum: Aktuell wird Futterweizen mit rund 15 Cent pro Kilogramm gehandelt – jede zusätzliche Investition frisst den ohnehin engen Deckungsbeitrag schnell auf.
Der Boden als langfristige Strategie
Die eigentliche Anpassungsstrategie liegt daher tiefer – im Boden selbst. Humusaufbau, organische Substanz und bodenschonende Bewirtschaftung verbessern die Wasserhaltefähigkeit und machen Böden widerstandsfähiger gegen Extremwetter. Konkrete Ansätze und Maßnahmen haben wir in unserem Artikel Zehn Maßnahmen gegen Dürre zusammengestellt.
Allerdings stoßen diese langfristigen Strategien an strukturelle Grenzen: Bodenaufbau braucht Jahre, Pachtverträge laufen oft kürzer. Wie Reitberger gegenüber der SZ formulierte, sei nachhaltige Bodenentwicklung nur dann möglich, wenn Verpächter langfristig denken und faire Konditionen ermöglichen.
Was Sie als Bürgerin oder Bürger tun können
Auch ohne eigenen Acker lässt sich ein Beitrag leisten. Sparsamer Umgang mit Trinkwasser, Regenwassernutzung im Garten, Verzicht auf das Bewässern von Rasenflächen in den Mittagsstunden – all das entlastet kommunale Wasserversorger und Grundwasserreserven. Praktische Tipps für den Alltag finden sich in unserem Beitrag Tipps und Maßnahmen.
Aussicht
Der trockene April 2026 ist kein isoliertes Wetterereignis, sondern fügt sich in eine Reihe ähnlicher Frühjahre der vergangenen Jahre ein. Ob aus dem trockenen Frühling ein trockener Sommer wird, hängt nun vor allem davon ab, ob die Mai- und Juniwochen ausreichend Niederschlag bringen. Wir verfolgen die Entwicklung tagesaktuell und ordnen sie regelmäßig in unseren Länderseiten für alle 16 Bundesländer ein.
Quelle: Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ), Regionalausgabe Schrobenhausen, sowie Daten des UFZ-Dürremonitors und Warnmeldungen des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums.





